Expedition: Ostküste

Tongariro die Erste: Fehlgeschlagen wegen Regen, ausgewichen auf Taupo. Tongariro die Zweite: Fehlgeschlagen wegen Regen, ausgewichen auf Rotorua. Tongariro die Dritte: Nicht in Angriff genommen aus Angst vor Regen. Expedition Ostküste konnte beginnen.

In Whakatane bekommen wir von der hiesigen Touristeninformation eine umfangreiche Broschüre in die Hand gedrückt mit allen Highlights des East Capes, alle Unterkünfte, Zeltplätze und Routen mit genauen Kilometerangaben vom Ausgangspunkt Opotiki und zum Zielpunkt Gisborne. Ein sehr schöner Start dachten wir uns. Doch irgendwie wurde den Menschen an der Ostküste nicht erzählt, dass es manche Touristen auch noch im Winter dahin verschlagen könnte. Unser eigentlich geplanter Campingplatz wies uns mit den Worten ab: „Sorry, leider steht hier alles unter Wasser, also gibt es keine Campingplätze.“ 20 Minuten später hatten wir wieder eine Chance. Nach einer steil abfallenden Einfahrt gingen wir um den ausgeschriebenen Backpacker mit angeschlossenem Zeltplatz herum. Doch außer einem laut kläffendem Hund gab es leider kein Anzeichen von Leben. Das änderte sich allerdings, als wir feststellten, dass wir auf der Wiese (auf der wir parkten) etwas im Schlamm versackt waren und mit durchdrehenden Reifen begannen den Vorgarten umzupflügen. Doch dank drei Maoris und einem Geländewagen wurde Krüger aus seiner Misere befreit. Wir haben mal kein Geld für die Gärtnerarbeiten genommen und auch darauf verzichtet uns selber einzuladen. Also: immer noch obdachlos, da auch hier der Rasen zu nass zum Übernachten war.
Dann wurde es erst einmal langweilig da alle Unterkünfte in der nächsten Stunde einfach mal geschlossen hatten. Ein bisschen Spannung kam dann noch mal an einem „Yes, we are open“ Schild. Es war mittlerweile stockdunkel und Marc hüpfte in das spärlich beleuchtete Büro. Kein Mensch, keine Klingel, aber dafür schaltete sich nach wenigen Sekunden eine Ohren betäubende Sirene ein. Marc hatte spontan die Alarmanlage ausgelöst. Leider interessierte es hier niemanden und wir waren immer noch obdachlos. Nach einer weiteren Stunde, ein paar überfluteten Straßen und einem Free-Camper, den wir wahrscheinlich zu Tode erschreckt hatten, fanden wir ein nasses Wiesenplätzchen. Ende gut- alles gut.

So da hatten wir schon mal die Hälfte der Zeit East Cape im Dunkeln (unter uns, es ähnelt ein wenig dem Rest von NZ bei Nacht), da wurde uns am nächsten Tag auch noch die Küstenstrasse vor der Nase weggesperrt (Überschwemmung) und wir durften eine landeinwärts Schlammroute befahren. OK, vielleicht noch ein paar weitere Highlights hier verpasst, aber ein bisschen Schwund ist immer. Wir landeten dadurch etwas früher als geplant in Gisborne, verbrachten dort aber gleich zwei Tage mit dem zweitbesten Eis Neuseelands;-)

Jetzt könnte man davon ausgehen, dass der Besuch der Ostküste irgendwie nicht so ganz gelungen war. Dem war aber nicht so. Wir haben eine wunderschöne Holzkirche mit zahlreichen Maorischnitzereien in Tikitiki besuchen können und noch eine gute handvoll von traditionellen Maraes (maorische Versammlungshäuser) bewundert und ein Gefühl dafür bekommen, wie abgelegen die Menschen hier noch wohnen. Es handelt sich überwiegend um Maoris, die noch sehr ländlich hier leben und einen Eindruck vermitteln, wie die Besiedlung heute aussehen würde, hätte nicht der Europäer mitgespielt. Und wir haben sehr nette, hilfsbereite (wenn auch etwas eigentümliche) Menschen kennen gelernt. Ach ja, das Beste: Wir hatten ne Menge Spaß! (Sina)