Und dann ging es auf die Abschiedstour

Wie das so oft am Ende einer Reise ist, plötzlich fliegt die Zeit nur noch so davon. Dummerweise bekommt man als Langezeitreisender ein völlig anderes Verhältnis zu Zeit. Wären 4 Wochen früher ein optimaler Rahmen gewesen, um das ganze Land zu bereisen, heißt es nun in unserem Rhythmus: jetzt ist schon bald vorbei. Haben wir überhaupt noch Zeit für Coromandel und Northland? Ja, hatten wir. Also ging es auf die Coromandel Halbinsel nordöstlich von Auckland. Ein nettes Plätzchen mit ein paar außergewöhnlichen Stränden wie z.B. Cathedral Cove mit einem riesigen ausgehöhlten Felsen am Strand. Daher wohl der Name. Oder der Hot Water Beach bei Hahei, an dem es warme Quellen gibt, die man sich mit Meerwasser zu einem angenehmen Bad mixen kann. Auch daher wohl der Name. Das ganze geht aber nur bei Ebbe. Sonst wird es zu kalt. Gerade wenn man von Auckland aus startet, bietet sich Coromandel an, um einen ersten, kleinen Eindruck von Neuseeland zu bekommen. Und wer nicht den langen Abstecher ins Northland machen will, hat auch hier die Möglichkeit ein paar der übrig gebliebenen massiven Kauri Bäume zu sehen. Sie erreichen hier nicht ganz die Höhe, wie im Süden Westaustraliens, aber der Baumstammdurchmesser ist schon ziemlich beeindruckend.



Wer es doch noch Richtung Northland schafft, dass ist übrigens der komplette Teil Neuseeland der noch über Auckland liegt, also noch mal schlappe 450 Fahrkilometer bis zur äußersten Nordspitze, der kann einen Eindruck von der Masse der Stämme im Kaurimuseum bekommen. Dort ist gleich ein ganzes Treppenhaus in den ersten Stock durch das innere eines Kauribaums gelegt. Dort werden so nebenbei übrigens auch noch Kauribäume „abgebaut“. Man hat Stellen entdeckt, wo alte Kauris durch Torf konserviert sind. Dort haben sie dann bis zum heutigen Tag für 45.000 Jahre in Ruhe gelegen. Das Holz ist noch voll bearbeitbar und so dient es dazu, diverse Objekte schnitzerisch zu gestalten. So bekommt man von der Sitzbank, für die man allerdings vorher einen Statiker bestellen muss und nachher einen Kran, bis zum chinesischen Essstäbchen alles aus Kauriholz. Und auch wer den größten, den zweitgrößten, siebtgrößten Kauribaum und sicherlich Vielfache davon live und in Farbe sehen möchte, dem sei das Northland wärmstens ans Herz gelegt. Die Bäume sind teilweise bis zu 2.000 Jahre alt, leider aber auch stark abgeholzt, weil man früher einfach geniale Kanus daraus machen konnte und später sicherlich auch andere ganz wesentliche Dinge wie z.B. Zahnstocher oder Weinflaschenhalter. Auch Aufforstungsprojekte bekommen im Angesicht von 2.000 Jahren eine ganz andere Dimension, wie ich finde. So könnte man sich durchaus vorstellen, dass in 2.000 Jahren ein aufgeforsteter Kauri zum anderen sagt „Du ich habe in Torf konservierte Menschen gefunden, die sind noch völlig beartbeitbar, wir könnten uns eine Wurzelbürste draus machen“.


Was gibt es sonst noch so in Northland? Einige schöne Strände, das berühmteste Klo NZ (die Hundertwassertoilette in Kawakawa), eine Menge Wald und natürlich den nördlichsten Punkt Neuseelands. Cape Reinga. Dieser Ort hat neben seiner touristischen Bedeutung auch eine Spirituelle. Im Glauben der Maori treten die Geister der Verstorbenen von hier ihre Reise zurück nach Hawaiki an (siehe auch Maori Artikel). Heute ziert ein Leuchtturm die Spitze und es kann eine ziemlich steife Brise dort wehen. Ebenfalls an diesem Punkt treffen auch tasmanische See und Pazifik aufeinander und können das Meer im Mahlstrom ganz schön aufwühlen.

Ein bisschen weiter südlich sollte ein Abstecher zu den riesigen Dünen nicht fehlen. Einmal auf dem Dünenkamm angelangt, fühlt man sich fast versetzt in die Sahara und glaubt nicht mehr, sich in Neuseeland zu befinden. Nur die Temperatur spricht etwas dagegen. Von dort aus gelangt man auch zum 90 Mile Beach, der befahren werden kann. Empfohlen ist dies nur für 4x4 Fahrzeuge. Theoretisch und praktisch geht es auch mit 2 Radantrieb, so zeigen einige Beispiele. Aber es gibt immer mal wieder Fälle, in denen es nicht ging und da konnten die gestrandeten Touristen ihrem lieben Gefährt bei eintretender Flut ein Good Bye mit auf den Weg geben. (Marc)