Khao Lak oder wie man mal wieder

 an einem Ort hängen bleibt

“Schon wieder quer durch Thailand“ war unser Leitsatz mit leichtem Augenrollen kurz vor der Fahrt nach Khao Lak. Durch Familien-Besuchs-Organisations-Planungen sah der Reiseplan der letzten 4 Wochen folgender maßen aus: von Langkawi im Norden Malaysias die ganze Strecke gen Norden nach Bangkok, dann wieder runter gen Süden nach KhaoLak, dann wieder hoch gen Norden nach Bangkok und nun man kann es schon ahnen, wieder runter bis fast nach KhaoLak, Khao Lak.

Nach vermuteten und vorausgesagten ca. 10 Stunden kommt der Bus nach ungezählten Pausen und kleinen Straßenrandzwischengeschäftchen mit gut 4 Stunden Verzögerung in Khao Lak an. Die Unterkunftssuche gestaltet sich spät am Abend etwas schwieriger als gewohnt. Wir laufen die nicht endend wollende Straße in Khao Lak auf der Suche nach einer Unterkunft ab. Entweder zu teuer oder voll. „Ihr braucht ne Unterkunft“ ruft uns plötzlich ein Engländer an einem Kebab Spieß stehend zu. Im Übrigen der einzige und erste Kebab in ganz Khao Lak. „Jau“ entgegnen wir ihm. Seine Antwort „Kommt rein, trinkt nen Bier auf zwei und ihr könnt hier umsonst im Keller pennen, ich habe ne Matratze, nichts Besonderes, aber für eine Nacht reicht es“ (Anmerkung des Autors: die Dialoge sind direkt simultan vom Englischen ins Deutsche übersetzt).



So einfach lösten sich unsere Unterkunftsbedenken plötzlich in Luft auf. Wir sind in einer Biker Bar gelandet, laute Metal Musik im Hintergrund, ein munterer und bunt besetzter Tisch im Vordergrund. Ein paar Deutsche sind auch mal wieder dabei.

Der scharfsinnige Beobachter stellt in Khao Lak übrigens schnell fest: hier handelt es sich um eine beliebte Enklave der Deutschen. Fußballbundesliga und Lindenstrasse auf Großleinwand, deutsches Essen, deutsche Bäckerei, deutsches Bier, Schalke 04 Fanclub Khao Lak, alles was das Herz eines sich nach Deutschland sehnenden Reisenden oder eines nicht für zwei Wochen auf Deutschland verzichten könnenden Reisenden begehrt. (ich würde mich gerade beiden Gruppen nicht zuordnen). Besonders eindrucksvoll auch die Annonce eines deutschen Lokals: JETZT AUCH THAIFOOD. (Ach ne, wer will denn so was hier mitten in Thailand?) Aber zurück zum Kellergeschoss: Das Matratzenlager hat einen kleinen Nachteil. Es befindet sich in unmittelbarer Nähe der Toilette und ist nur durch einen Vorhang von dieser getrennt. Leicht angeheiterte und Bier trinkende Menschen haben bekannter Weise die unangenehme Angewohnheit, öfter die Toilette zu nutzen, wenn es erstmal läuft.


Schlaf suchend nach der langen Busfahrt, bleibt die Konzentration unliebsamer Weise auf den sich stark differenzierenden Pinkelgeräuschen hängen. Diese unterscheiden sich in Stärke und Dauer übrigens ungemein. Ich kann nicht anders als ständig hinhören und bin nach kurzer Zeit schon in der Lage, Wiederholungstäter zu identifizieren.

Nach somit kurzer aber lauter Nacht, bekommen wir am nächsten Morgen noch eine DVD Privatvorführung. Thema: Tsunami 2004 unzensiert, aufgenommen vom Bruder des Engländers, der in einer der Tauchschulen vor Ort arbeitet und alles live miterlebte. Ich spare mir weitere Kommentare hierzu.

Wir brauchen erstmal frische Luft und machen uns erneut auf Unterkunftssuche. Wir spüren direkt eine angenehme Atmosphäre, die heute über diesem Ort liegt. Es ist einer dieser Orte an denen wir uns sofort wohl fühlen und einfach nicht genau beschreiben können, wieso. Alles stimmt hier einfach. Wir haben wieder Glück mit der Unterkunft und finden einen kleinen, perfekten, günstigen, ruhigen Bungalow.



Erster Ausflug geht hundert Meter weiter zum Strand, spätes Frühstück. Palmen im Hintergrund, der weite Ozean im fernen Vordergrund, tiefblaues Wasser im nahen Vordergrund, zur Rechten Strand endlos, zur Linken Strand endlos, Menschen? Nicht gerade viele am Strand. Willkommen im Paradies.

Schnell wird uns klar, aus den geplanten 3 Tagen Khao Lak wird bestimmt noch der ein oder andere mehr. Was gibt es hier so zu tun? Strandspaziergang. Welche Richtung und wie weit hätten´s gern? Umgebungserkundung mit dem Motorrad? Noch mehr perfekte Strände? Ein wenig Dschungel? Schöne Wasserfälle? Takua Pa eine authentische Thaistadt, wo man auf fast keine Touristen trifft? Alles da. Oder lieber in einem weltbekannten Tauchparadies dem Similan Island Nationalpark abtauchen?

Jawohl, einmal genau in dieser Reihenfolge bitte. Bescheiden wie wir sind, entscheiden wir uns für alles.

Und tatsächlich aus den drei Tagen werden dann sieben und das Beste daran erfahren wir, als wir die Unterkunft bezahlen. „Ihr ward sechs Nächte hier? Dann ist die siebte umsonst.“ Welch besseren Abschluss hätte man sich da noch vorstellen können? (Marc)





T auchschulen gibt es wie Sand am Meer in Khao Lak. Tagesausflüge oder Liveaboards, alles lässt sich hier buchen. Aber: Tauchen hier ist wirklich teuer. Die Kosten für einen Tauchgang liegen gut doppelt so hoch wie im thailändischen Durchschnitt. Und wer Material leihen will, bezahlt noch mal extra, plus die hohen Nationalparkgebühren für die Similans. Ein bekanntes Pärchen arbeitet auf einer der Tauchbasen und wir kommen in den Genuss eines guten Rabattes, sonst hätten wir hier sicherlich auf das Tauchen verzichtet.

Wir entscheiden uns für insgesamt 4 Tauchgänge.

Die ersten beiden führen uns zum Boonsung Schiffswrack. In den Insiderkreisen vor Ort auch als Fischsuppe bekannt. Und das stimmt. Das Wrack an sich ist wenig spektakulär und nach Sprengungen und dem Tsunami fast völlig zerstört. Reichtum und Artenvielfalt an Fisch hingegen sind intakt und überwältigend. Wir sehen Kofferfische, Kugelfische, Skorpionfische, Löwenfische, Sepien, Nacktschnecken, Moränen, Porzellan Krabben und unzählige andere. Die ganz großen fehlen hier allerdings. Aber wer es mag, dass es nur so um einen vor Fisch wimmelt. Ein unbedingtes Muss.

Die nächsten beiden Tauchplätze sind Koh Tachai und Koh Bon. Nicht direkt geografisch im Nationalpark aber dennoch dazu zählend. Koh Tachai hat eine schöne Unterwasserlandschaft mit einigen Korallenarten. Wir sehen Leopardenhaie und eine Meeresschildkröte die so vor sich hindöst.

Der Grund warum man hauptsächlich nach Koh Bon fährt, sind die fast garantierten Mantas in der Saison. So auch diesmal. Bezüglich der Saison auf jeden Fall. Die Mantas bleiben leider aus. Natur lässt sich eben nicht buchen. Leider verpassen wir so ein wenig von der Unterwasserwelt, weil unsere Augen eher nach den Mantas suchten. Trotzdem entdecken wir noch eine Seeschlange und einen Riesenmoräne.





Anreise :

Khao Lak erreicht man von Bangkok aus übrigens vom südlichen Bus Terminal mit jedem Bus der Richtung Phuket startet. Unterschiedliche Busse mit unterschiedlichen Standards fahren so gut wie stündlich ab. Ebenso ist es möglich einen Nachtbus zu nehmen. Die Preise variieren je nach Standard des Busses (24-Sitzer VIP oder bis zu 50 Sitze im Doppeldecker). Man sollte nicht versäumen, zu erwähnen, dass man in Khao Lak rausgeschmissen werden möchte. Offiziell ist hier kein Stopp.