The Golden Triangle – Nicht alles Gold glänzt


Auf dem Weg Richtung Laos machen wir Halt in Chiang Rai, unsere letzte thailändische Destination. War es im populäreren Chiang Mai zuvor noch eher trubelig und touristisch, wirkt hier alles viel beschaulicher und viel mehr „thai“. Natürlich verirren sich auch noch paar „Farangs“ hier oben ins legendäre goldene Dreieck, aber trotzdem, vom Megaansturm scheint die Gegend hier oben verschont zu bleiben.

Das goldene Dreieck wird durch die Staaten Thailand, Laos und Myanmar gebildet und die beiden Grenzen befinden sich in unmittelbarer Nähe. War die Gegend früher noch für den Opiumanbau berüchtigt, welcher wenigstens auf thailändischer Seite mittlerweile scheinbar unter Kontrolle ist, so ist dieses Kapitel durch Sextourismus abgelöst worden. Die Leidtragenden hier sind allerdings auch Minderjährige jeglichen Alters. Gerade an dem Tag, wo wir uns in Maesai, direkt an der Grenze zu Myanmar aufhalten, erfahren wir, dass ein 12 jähriges Mädchen verkauft wurde. Fallen die Kinder nicht direkt ihrem Schicksal im Norden Thailands zum Opfer, werden sie meist über Mittelsmänner in Richtung Bangkok oder Pattaya verkauft. Frank, ein Engländer, den wir kennen lernen, der sich im Projekt von „Supporting Heart“ engagiert, erzählt uns „hier direkt ein paar Meter von unserer Kindertagesstätte entfernt, ist abends der Rotlichtbereich. Und wenn du hier im Hotel bist, kannst du deine Wünsche äußern und die <> wird dir direkt aufs Zimmer geliefert. Alter spielt keine Rolle und Handschellen etc. werden gleich mitgeliefert, damit die Opfer nicht fliehen können, wenn man zwischendurch auch mal essen oder einkaufen möchte.“

Der Grund warum wir überhaupt die Möglichkeit haben, Einblicke zu erhalten, die wahrscheinlich nicht jeder Besucher Nordthailands mit nach Hause nimmt, ist ein Deutscher, den wir ursprünglich in Australien kennen gelernt haben und der nun seit gut einem Jahr hier oben lebt und beginnt, sich für derartige Projekte zu engagieren.

Das erste oben bereits kurz erwähnte Projekt wird durch Frank geführt. Es ist eine Art Kindertagesstätte, die den so genannten „Brückenkindern“ (die Namensgebung erfolgt durch die Freundschaftsbrücke, die die Grenze zwischen Myanmar und Thailand bildet) eine Zuflucht für tagsüber bietet. Mit den Kindern wird gespielt, sie erhalten dort eine warme Mahlzeit und spielerisch werden ihnen ein paar Dinge gelehrt. Bei den Kindern handelt es sich nicht ausschließlich um misshandelte oder vergewaltigte Kinder, es kommen auch die Fälle, die von ihren Eltern aus Myanmar auf die thailändische Seite oder auf die Brücke zum Betteln geschickt werden.




Kontodaten des Projektes

Empfänger: Supporting Heart (Sai Jai Yai Rak)
Kontonummer: 061-2-23610-9
Bank: United Overseas Bank, Chiang Rai, Thailand
Swift Code: BKASTHBK



In den angrenzenden Staaten, aber auch im Norden Thailands findet man eine unvergleichliche ethnische Vielfalt in den so genannten „Hilltribes“. Mit der ethnischen Vielfalt und den neu gebildeten Grenzen, finden sich aber leider auch ebenso viele Probleme. Armut, Drogenabhängigkeit, fehlende internationale Hilfe,

Perspektivlosigkeit, fehlende Aufklärung und Bildung, was den Umgang mit der näher rückenden modernen Welt angeht, treiben die Menschen zu Aktionen, die mit westlicher Sichtweise oder Schablonendenken sicherlich nicht alleine zu erklären sind. Hier geht es ums Überleben, um falsch geweckte Hoffnungen durch skrupellose Menschenhändler, um Schmiergelder oder ebenso so skrupellose Sextouristen, die mit ihrer Nachfrage einen weiteren Stein ans Rollen bringen und ebenso um Verdeckungspolitik von Staaten, die erst überhaupt gar keine internationalen Organisationen ins Land lassen. Diese Probleme sind Vielschichtig und nicht einfach mal eben lösbar. Momentan kann nur eine „erste Hilfe“ geleistet werden.

Wie anders sollte man auch erklären, dass ein Mädchen für gerade mal 45 Dollar verkauft wird. Menschenhändler dringen in die Dörfer und verschaffen sich durch all die oben genannten Probleme ihren Vorteil und erfinden Geschichten, dass sie die Kinder nach Bangkok bringen und dafür sorgen, dass sie ein wenig arbeiten, um Geld zu verdienen evtl. sogar etwas nach Hause schicken und sie für eine Ausbildung und Entwicklung des Kindes sorgen.

Die Kinder, die wir in der Tagesstätte antreffen, sind trotz ihrer Hintergründe erstaunlich offenherzig und binden uns direkt in ihre Spiele ein. Ein angenehmes Beispiel wie durch vergleichsweise kleine Organisationen mit ein paar Freiwilligen Mitarbeitern schon erstaunliche Wirkung erzielt werden kann. Allerdings endet dieses Projekt am späten Nachmittag, wenn die Tore schließen. Denn dann gehen die Kinder meist zurück und sind in der Nacht wieder ihrem Schicksal überlassen.



Kontodaten und weitere Infos


Empfänger: MaeSai Childlife
Konto Nummer: 176-2-31580-3
Bank: Kasikornbank, Mae Sai Branch
SWIFT Code: KASITHBK



Bei extremeren Fällen, wo eine andauernde Gefahr besteht, dass die Kinder um Leib und Leben fürchten müssen (wenn man hier überhaupt eine Unterscheidung treffen kann), gibt es noch kooperierende Kinderheime in der Umgebung.

Am Nachmittag besuchen wir das Kinderheim Childlife Maesai und dessen Leiter Kru Ngaow, der sich einfach auch Abraham nennt. Das Heim und das Projekt wurden im Jahr 2000 durch ihn ins Leben gerufen, nachdem er zuerst begann sich um Straßenkinder in Chiang Rai zu kümmern und dann weiter auf die Missstände direkt an der Grenze aufmerksam wurde.

Heute leben in dem Heim 110 Kinder, was momentan eigentlich nur für 80 ausgelegt ist. Aber wer möchte hier schon sagen „du kannst nicht mehr kommen, wir sind voll!“.

Es fehlt das Geld um weiter auszubauen. Obwohl das Projekt ebenfalls von der Kindernothilfe etwas gestützt wird, sucht Childlife dringend private Sponsoren aber auch freiwillige Helfer um die Organisation weiter aufzubauen und logistische Herausforderungen zu lösen. Beispielsweise wurde eine Internetseite angefangen, aber nicht richtig fertig gestellt, bei den Helfern fehlen meist die Englischkenntnisse um Korrespondenz zu erledigen etc.

Die Kinder erhalten Unterricht in Englisch und ihnen sollen Grundkenntnisse für den Umgang mit Computer beigebracht werden. Die Kinder leben dort, erhalten Essen und Schlafplätze.

Es muss immer noch viel improvisiert werden, aber im Projekt wird mit viel Herzblut gearbeitet. Die Missstände und Probleme auf die man dort oben trifft, sind sicherlich schwierig mit denen in Europa zu vergleichen. Wir haben auf jeden Fall das Gefühl, dass Hilfe auch hier dringend notwendig ist, um eine erste Grundversorgung zu gewährleisten, um eine menschenwürdige Basis zu schaffen.

Wer sich berufen fühlt, hier zu unterstützen, kann uns gerne über das Anfrageformular kontaktieren. Wir können weitere Kontakte zur Verfügung stellen und vermitteln. (Marc)