Chiang Mai gedreht
Nach der Hitze der Insel sollte es ab in den kühlen Norden gehen – so der Plan. Irgendwann hatten wir allerdings spitz bekommen, dass irgendetwas an der Rechnung nicht aufgehen sollte…

Nach dem gefühlten 397 Mal Bangkok war unsere erste Nordstation Sukhothai, ein wirklich sehr verschlafener, süßer Ort, der vor allem seine Touristen dem angrenzenden Tempelgebiet verdankt. Als wir jedoch dort ankamen, hielten sich die Anstürme in Grenzen. Warum nur? Vielleicht lag es an der sengenden Hitze, die ungebremst auf uns hernieder prasselte und die ich schon begann zu verfluchen als wir uns mit den 55 kg Gepäck, die zwei Kilometer von der Busstation Richtung Innenstadt schleppten. An dieser Stelle noch einmal einen Dank an unseren Lonely Planet, der garantiert bei allen Maßstäben daneben liegt. Am folgenden Tag versuchten wir einfach schneller zu sein als die Sonnenstrahlen und mieteten uns einen Roller. Wir waren es nicht und der erhoffte Fahrtwind schlug uns wie ein Hochleistungsfön ins Gesicht. Doch der Ausflug zu den wirklich sehr netten Ruinenanlagen lohnte sich, auch wenn wir uns nur für ein Gebiet entschieden, da die gesamte Anlage in Bezirke aufgeteilt ist und die Eintrittspreise gleich mal um mehrere Hundertprozent angestiegen sind.




Wir schwangen unseren Hintern wieder in den Bus und setzten Kurs auf Chiang Mai. Und wieder mussten wir sagen: „Was für ein netter Platz Erde“, ach ja und: „Scheiße, ist das heiß hier!“ sprang vielleicht das eine oder andere Mal auch noch aus unserem Mund. Wir leihten uns wieder einmal ein kleines Motorrad aus und erkundeten z. B. das „Umbrella-Dorf“, das so ziemlich alle Souvenirshops des Nordens mit Hand bemalten Sonnenschirmen ausstattet. Es war vielleicht nicht mehr ganz so rustikal wie erwartet, aber irgendwie muss man eingestehen, dass sich auch in Thailand die Uhren weiterdrehen. Chiang Mai selber hat auf jeden Fall den schönsten Sonntagsmarkt, der uns in Thailand begegnet ist, dafür blieben wir sogar extra noch einen Tag länger.




Wir lagerten einen Rucksack in unserem Gasthaus und machten uns auf ins (Alt-) Hippiedorf Pai. Und was sollen wir sagen: „Pai ist super!“ ach ja und: „Scheiße, ist das heiß hier!“ Mit dem Ruf von Party, Saufen und Drogen steht Pai hier in der Gegend für alles touristisch böse. Wir haben nicht viel davon mitbekommen, einmal waren nicht so viele andere Touris da, zum anderen war wahrscheinlich bei den Temperaturen jeder gleich beim ersten Schluck Bier ins Koma gefallen. Die 40 Grad Marke hatte uns nun schon seit einer guten Woche locker im Griff. Wir hatten übrigens den schönsten und billigsten Bambusbungalow der Welt, gleich am Fluss, mit Terrasse, etlichen schreienden Geckos und einer Maus, die 17 Stunden täglich damit verbrachte im Dachblätterwerk rumzurascheln. Pai hatte die besten Smoothies, leckeres Essen und günstige Leihmotorräder (gut 2 Euro pro Tag). Wir fuhren zwei Tage unaufhörlich im Kreis um diesen Ort, zu Elefanten, Canyons, Wats, WWII- Brücken, Wasserfällen, chinesischen Dörfern, anderen Dörfern mit Festivitäten … Pai war super und wären wir nicht schon ständig irgendwo in Thailand kleben geblieben, wären wir es hier.





Doch wir hatten noch so einiges vor im Norden und nach dem wir viereinhalb Monate in Thailand rumgebummelt waren, gerieten wir langsam in Zeitnot, also wieder ab in den Bus und weiter nach Mae Hong Son. Mal wieder ein sehr netter Ort, wenn auch schon ein wenig unbereister, ach ja und scheißen-heiß! Und als ob man es sich hätte denken können, liehen wir uns einen Tag später mal wieder einen Roller aus und tourten umher. Diesmal wollten wir mal kulturmäßig richtig einen raushängen lassen und besuchten nach einigen Kilometern Schotterpiste ein Karendorf, berühmt vor allem durch seine „Langhalsfrauen“. Angeblich war hier der Tourismus kein Problem, sondern erwünschte Einnahmequelle. Doch nach dem wir unserer Eintrittsgeld am Kassenhäuschen gelassen hatten, fiel uns auf, wie wenig das Dorf auf den Eindringling „Tourist“ vorbereitet war, wenn man von den etlichen Souvenirständen mal absah. Plötzlich waren wir alleine mitten im Dorf und fühlten uns als ob wir eine Maschinenpistole in der Hand hätten. Der Besuch war grausam für beide Seiten, obwohl soviel mehr Potential in dieser Sache gesteckt hätte.





Vier Stunden mit dem öffentlichen Bus entfernt lag Mae Sariang und wir fielen fast tot um, als uns die Hitze erfasste. Mittlerweile musste das Thermometer schon auf die 43 Grad oder mehr zugesteuert sein, es war wirklich unerträglich heiß. Etwas schlauer von unserer Karen-Erfahrung, leihten wir uns diesmal kein Gefährt aus, sondern unternahmen mit zwei Mae Sariangern eine Tour in die Bergdörfer. Beide engagierten sich in den letzten Jahren für die umliegenden Hilltribes, die durch den immer fortschreitenden Straßenausbau immer schneller mit der „Zivilisation“ in Kontakt kommen. Sie passen ihre Aufgaben den Bedürfnissen der Dörfer an und versuchen nicht sie mit aller Macht auf „westliches Niveau“ zu bekommen. Pat, selber aus dem Shan-Hilltribe und die Engländerin Mel sind mehr als nur Ansprechpartner für die Dörfer. Sie besorgen Lernmaterial für die Kinder, bringen mit kontrolliertem Tourismus einen Absatzmarkt für die Handwerksprodukte in die Dörfer und „rekrutieren“ Volunteers für Lehrprojekte. Außerdem organisieren sie Homestays, also Übernachtungsmöglichkeiten in den Dörfern, dass zum einen etwas Geld für die Familien bringt, aber auch bei der kulturellen Annäherung hilft. Für uns war es eine super Erfahrung mit offenen und lustigen Dörflern, die mindestens genauso neugierig auf uns, wie wir auf sie waren. Ein junges Mädchen berichtete uns in ziemlich gutem Englisch etwas aufgeregt, dass sie bald auf die weiterführende Schule in einen anderen Ort gehen wird. Ihre Ausbildung wird vom ganzen Dorf gefördert, sie soll irgendwann Ärztin werden und so etwas ihren Leuten wieder zurückgeben.

Nach weiteren vier Stunden auf einer Bustreppe bei offener Tür endete unsere Nord-West-Runde wieder dort, wo sie begann, in Chiang Mai. Wir vereinten uns wieder mit unserem dicken Rucksack und schlugen uns am Abend noch einmal den Bauch mit Burritos voll. Ein guter Mexikaner ist definitiv ein Luxus in Asien … (Sina)




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http://www.thailandhilltribeholidays.com/