Budgetverluste im blauen Loch
Nach unseren enttäuschenden Trommelerfahrungen versorgt uns Belize schnell mit einem Trostpflaster für unser kleines Tief – namentlich heißt dieses Pflaster Caye Caulker und ist nicht wirklich weit von perfekten Paradiesvorstellungen entfernt. Doch jede neue Station geht mit einer Anreise einher und gerade diese nach Caye Caulker ist definitiv eine kurze Geschichte wert:

Auch wenn in Belize als solches gerne mal ein Gang raus genommen wird, ist diese Eigenschaft definitiv nicht für den Straßenverkehr übertragbar. Solange man die Geschwindigkeit nicht mit eigener Körperkraft erzeugen muss, wird sie auch gerne bis zum Anschlag ausgereizt – immer uns ständig. Also heizen alle Busse, Autos und Trucks über die endlos geraden Straßen, die sich zu Zeiten einspurig über eine Brücke verengen. Normalerweise sollte es kein Problem darstellen, da man den Verkehr für einige Kilometer in beiden Richtungen im Blick hat. Doch dieser Überblick animiert noch lange nicht jeden zum Bremsen. Auf einer Brücke eine Stunde vor Belmopan war es dann soweit. Mitten im weitläufigen Nichts stehen ein kleiner und ein großer LKW mitten auf einer solchen Brücke, beide einen guten halben Meter kürzer (Zur Info: Wir kamen kurze Zeit nach dem Unfall an und haben weder Blut noch Verletzte gesehen). Alleine der Anblick der Verkehrssituation macht diesen Unfall wohl zu einem der Dümmsten in der Geschichte. Die Straße war somit für die nächsten Stunden komplett gesperrt und wir konnten uns glücklich schätzen mit einem Bus unterwegs zu sein. Denn als auf der Gegenseite der Bus aus Belize City Richtung Dangriga auflief wurden kurzer Hand Passagiere und Zielort getauscht und beide Busse rasten zu ihrem Ausgangspunkt zurück – mit Vollgas natürlich.



Aber nun zurück zum eigentlichen Thema Caye Caulker. Die Insel vor Belize City ist einer der Ausgangspunkte für Tauchgänge im Blue Hole. Auch wenn wir auf jeden Fall Tauchen gehen wollen, hatten wir diesen Tauchspot bereits vor der Ankunft wegen Kostengründen gestrichen. Wir mieten uns in eine restaurierungsbedürftige, bunte Stelzenhütte gleich am Wasser ein und klappern die ersten Tauchschulen nach Angeboten ab. Top10 Tauchplätze werden doch auch immer über bewertet, versuchen wir uns auf dem Weg einzureden und sind uns unserer Sache sicher bis zum ersten Angebot. 200 U$ für einen Tauchausflug inklusive Blue Hole und 2 anderen Plätzen. Auch wenn diese Zahl immer noch jenseits unserer finanziellen Möglichkeiten liegt, ist sie trotz allem 100 Dollar günstiger als erwartet. Die alten Stimmen in unserem Kopf werden leiser und das Thema der überbewerten Topspots ist weggeflogen. Wir machen das einzig vernünftige, was man in dieser Situation machen kann – wir buchen natürlich – schließlich handelt es sich um DAS Blue Hole. Und da wir gerade so in Geldausgebestimmung sind, buchen wir auch noch gleich einen Schnorcheltrip mit Manatees (Seekühen) für den nächsten Tag. Wer weiß, wann man noch mal hier ist.







Der Schnorcheltrip am folgenden Tag erweist sich als voller Erfolg. Bei unseren ersten Sprung ins Wasser landet Marc gleich einmal fast auf dem Rücken einer Grünen Meeresschildkröte, während nur wenige Meter von uns entfernt ein Ammenhai ein kurzes Wettrennen mit einem beachtlichen Stachelrochen veranstaltet. Die erste Minute unseres Unterwassererlebnis ist repräsentativ für den restlichen Tag, neben einem guten Dutzend weiterer Haie und etlichen Rochen gesellen sich auch noch massive Fischschwärme und letztendlich auch noch zwei ausgewachsene Seekühe hinzu. Die erste Investition hatte sich somit schon einmal voll gelohnt.






Am nächsten Tag stand das legendäre Blue Hole und zwei weitere Tauchgänge auf dem Programm. Und auch wenn die eigentliche Attraktion schon nach acht Minuten in der maximalen Tiefe von 40 Metern vorüber ist, ist es ein geniales Erlebnis – von der Dunkelheit angefangen über die Stalaktiten und Stalagmiten bis hin zu den zahlreichen Riff- und Bullenhaien um uns herum. Die anderen beiden Tauchgänge und der Stopp auf einer abgelegenen paradiesischen Insel komplettieren den perfekten Tag – wir haben selten so gerne unser Geld ausgegeben. (Sina)